Sonderbericht - Sonstiges

 
 
Der Schwerbelastungskörper
 

Bei meinen Exkursionen entlang der Anhalter/Dresdener Bahn fällt mir jedes Mal in der General-Pape-Str. zwischen dem Bf. Papestraße und der Kolonnenbrücke ein "runder "Betonklotz" ins Auge. Irgendwann hatte ich mal Kenntnis davon erhalten, das sich dieses "Ding" Großbelastungskörper nennt, und als Belastungstest für den im "Dritten Reich" geplanten überdimensionalen Triumphbogen dienen sollte.

 
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
Der sogenannte Großbelastungskörper steht genau am nördlichen Ende der
General-Pape-Str., wo diese auf dem Loewenhardtdamm trifft.
Stadtplan
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Ich konnte mir nie vorstellen, dort mal runterzukriechen
 

Doch am 12.09.2004 ergab sich die Gelegenheit im Rahmen des "Tag des offenen Denkmals" sich dieses Objekt einmal näher anzusehen.
Übrigens kann im Zusammenhang mit einem Bildungsseminar "Reichshauptstadt Germania - Umbau Berlins im Nationalsozialismus" des Vereins Berliner-Unterwelten e.V. der Großbelastungskörper/Schwerbelastungskörper regelmäßig besichtigt werden.

 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
Wie man sieht, hatten auch weitere Berliner Interesse, darunter auch viele Anwohner,
sich bei stündlichen Führungen die vom Verein Berliner-Unterwelten e.V. durchgeführt wurden,
einige Informationen über diese Objekt zu holen und das Ganze mal aus der Nähe zu betrachten.
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 

Der von mir "Großbelastungskörper" genannte Betonklotz wird eigentlich Schwerbelastungskörper genannt. Er wurde 1941 zum Test der Tragfähigkeit des Berliner Baugrund geplant. Die Firma Dyckerhoff & Widmann, die damals die Nr.1 im Betonbau war, wurde mit dem Bau beauftragt.

Die Vorgeschichte dazu:
Im Dritten Reich sollte Berlin zur Reichshauptstadt "Germania" umgebaut werden. Dazu sollten in einer Nord-Süd- Achse von Moabit bis Tempelhof gigantische Umbaumaßnahmen mit tlw. ebenso gigantischen Gebäuden stattfinden. Am Südende sollte kurz vor dem geplanten riesigen Südbahnhof (Papestraße) ein riesiger Triumphbogen errichtet werden. Dieser sollte ungefähr dreimal so groß wie der Pariser  Triumphbogen werden, mit Ausmaßen von 170m Breite und 140m Höhe. Einige Belastungsproben, die an verschiedenen Stellen in Berlin stattfanden reichten dem "Reichsarchitekten" Albert Speer nicht aus. So entstand die Planung des Schwerbelastungskörpers in räumlicher Nähe eines geplanten Fußes des monumentalen Triumphbogen.

 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 

Der Bau wurde unter anderen von französischen und anderen Kriegsgefangenen durchgeführt. Der obere und breitere Teil des Schwerbelastungskörper mit einer Höhe von 12m, der in der unteren Hälfte aus Stahlbeton und in der oberen Hälfte aus einer einfacheren Betonmischung mit geringerer Dichte besteht, ist der sichtbare Teil des Objektes. Der dünnere "Fuß" erstreckt sich bis in 18,20m Tiefe. Der Schwerbelastungskörper hat ein Gesamtgewicht von 12.650 Tonnen und erreicht damit ein Bodendruck von 1,26 Meganewton pro qm. Die gleich ab Baubeginn durchgeführten Messungen wurden erst nach dem Krieg im Jahr 1948 ausgewertet. Es ergab sich eine Absenkung von 19,3 cm innerhalb von 2 1/2 Jahren. In späteren Jahren erfolgten hier weitere Messungen zur Belastbarkeit von Boden.
Seit 1995 steht der Schwerbelastungskörper, der eigentlich nur für 20 Wochen! geplant war, unter Denkmalschutz.

 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
Die Zeit hinterlässt ihre Spuren
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Aus nächster Nähe sieht man das doch noch reichlich Platz unter dem Oberteil ist.
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Herr Wedemeyer von den Berliner-Unterwelten e.V. lieferte reichlich Informationen,
die in mühevoller Kleinarbeit vom Verein zusammengetragen wurden.
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
Im tieferen Teil Reste von späteren durchgeführten Belastungsversuchen ...
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
... hier speziell Untersuchungen von Betonbohrpfählen, deren quaderförmige Köpfe noch sichtbar sind.
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
Hier ruht die Last des Oberteils auf den schlankeren "Stiel" des "Pilzes"
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
Diese Tür führt in einem Raum der erst nach dem Krieg mit Beginn neuer Versuche in den 50er Jahren durch zusätzliche Mauern, die unter ein Teil der Auskragung des Schwerbelastungskörpers gestellt wurden, geschaffen wurde.
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
Die obere Meßkammer und die unteren Meßkammern in 9 Metern Tiefe hat das Forschungsinstitut mit seinen Mitarbeitern sowie deren Angehörige als eine Art Bunker genutzt.
Des weiteren wurden hier Messgerätschaften und eine umfangreiche Bibliothek eingelagert,
um sie vor den Auswirkungen des Krieges zu schützen.
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
Heutzutage liegt hier bloß noch "Gerümpel"
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
An der Wand stehen noch einige alte Regale
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
 
 
Fotos und Copyright: Detlef Hoge
Den Schlitz zwischen dem normalen Erdreich und dem Schwerbelastungskörper
wurde mit Sand aus der Versuchsgrube aufgefüllt, um diesen nicht abtransportieren zu müssen.
 

Die Informationen stammen vom Vortrag, aus einem extra für diese Veranstaltung erstellten Informationsblatt das ich mit Genehmigung (Danke) des Vereins hier veröffentlichen darf, sowie von Hrn. M. Richter - AG Stadtstrukturen der Berliner-Unterwelten e.V..

Edit-2007: Inzwischen gibt es weitere Neuigkeiten zum Schwerbelastungskörper
Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg und der Berliner-Unterwelten e.V. wollen mit einer verstärkter Öffentlichkeitsarbeit um Interesse, Verständnis und eine größtmögliche Zusammenarbeit zum Erhalt dieses bauhistorisch einzigartige Bauwerks werben

 

Weitere Links zum Thema:

12 360 Tonnen Beton: Investor verzweifelt gesucht Artikel der Berliner Morgenpost
12 000 Tonnen Beton für die Ewigkeit Artikel der Berliner Zeitung
Größenwahn Germania  Artikel der Welt am Sonntag

und nicht zu vergessen der Verein

Schwerbelastungskörper Webseite der Berliner Unterwelten

 

nach oben


Diese Seite ist ein Teil der Homepage www.bsisb.de

Impressum

      
Kostenloser Counter und Statistik von PrimaWebtools.de

letzte Änderung an dieser Homepage:

Samstag, 20 Oktober 2007 - 16:57